Und wir möchten vor allem jene Menschen ansprechen, welche Sehnsucht nach
Veränderung und Gerechtigkeit haben, in einer Welt, welche zunehmend durch Ausbeutung, Umweltzerstörung, Krieg und Hunger gekennzeichnet ist. Dabei soll das Reisen in ferne Länder und der damit verbundene Austausch von Kultur, Religion und Wissen eines Tages möglichst allen Menschen zur Verfügung stehen, ohne dabei Natur und Umwelt zu zerstören, wie das
gegenwärtig durch die zahlreichen Kurzurlaube u. die damit verbundene Tourismusindustrie geschieht. Dazu braucht es unserer Meinung nach ein völlig neues Gesellschaftskonzept und
ein damit verändertes Reiseverhalten und Reisebewusstsein. So wollen wir durch den
Aufbau autarker Lebensgemeinschaften in der ganzen Welt künftig nicht nur die Möglichkeit schaffen in alle Zonen und Weltteile zu reisen, sond. uns darüber hinaus von allen bisherigen Einschränkungen zeitlicher, finanzieller, beruflicher oder gesundheitlicher Art unabhängig
machen. So wird es in der zukünftigen Welt des Reisens möglich sein mit der ganzen
Familie auf unbestimmte Zeit in ferne Länder zu reisen und auf diese Weise vielleicht sogar
seine neue Heimat zu finden, ohne dafür besondere finanzielle oder berufl. Voraussetzungen mitzubringen. Ermöglicht wird dies durch das Konzept des Miteinander-Gemeinschaft-Habens (1 Joh 1,7) und Einträchtig-füreinander-Sorgens (1 Kor 12,25) innerhalb der Gemeinschaften vor Ort, welche durch ihren familiären Charakter für das Wohl jedes Einzelnen sorgen und
somit jeden neuen Reisenden willkommen heißen u. diesen in die bestehende Gemeinschaft integrieren. Der Aufenthalt in diesen Gemeinschaften umfasst alles was zum Leben dazu-
gehört: Erkenntnis und Liebe zu Gott, Achtung vor dem Leben, gemeinschaftliches Eigentum, Liebe untereinander, gegenseitiger Dienst, Tischgemeinschaft, ein neues Familienverständnis im Sinne Jesu Christi, Integration von Waisenkindern und Behinderten, Alten und Schwachen, einträchtiges Füreinander-Sorgen, sinnvolles und selbstbestimmtes Arbeiten, Freude an der Arbeit, natürliche Bauweisen, Permakultur, Nachhaltigkeit, die Produktion von Grundbedürfnissen, Erziehung, Bildung & Kultur, Naturmedizin, Biologische Krebsbehandlung, Biologische Zahnmedizin, Heilung an Leib und Seele, Sport, gesunde Ernährung und nicht zu vergessen eine gemeinsame Regel. Das Ziel ist eine weitestgehende Autonomie der Gemeinschaften,
die Bildung eines Gemeinschaftsbundes und damit die allmähliche Unabhängigkeit von Markt und Kapital. Siehe Münz –u. Währungsverweigerung Jesu in der Geschichte vom Zinsgroschen. Somit bekommt das Reisen einen gänzlich neuen Sinn u. eine neue Qualität, ist in besonderer Weise nachhaltig und wird zu einem wichtigen Bestandteil globaler Friedensarbeit.
Weitere Infos zum Thema: familiaDei.org
In dem Maß, wie wir die Anliegen des Reiches Gottes zu den unsrigen machen,
macht Gott unsere Anliegen zu den seinen. Walter Hümmer (1909–1972)
Wilhelm Weitling: Man wird nicht nur seinen Geburtsort kennen, sondern man
wird alle Zonen und Welttheile bereisen, und überall in seiner Heimath sein.
Protest aus Mexiko in Berlin gegen ITB Tourismusmesse
„Wieder einmal setzt sich der unersättliche Kapitalismus die Maske des Entdeckers,
des Reisenden, des Besuchers, des Touristen auf. Der Kapitalismus, der in Privatflugzeugen, auf Yachten und Kreuzfahrtschiffen reist, der in Hotels übernachtet, die auf Mangroven und
Urwäldern gebaut sind; der Kapitalismus, der Euro- und US-Dollarkrümel dort verstreut, wo die Menschen Würde fordern. Der Kapitalismus, der sich an den Stränden sonnt, dort, wo die Fischer:innen früher gemeinsam arbeiteten und heute nur noch Diener:innen in einem System sind, welches diese Menschen verachtet und sie als Clowns für diesen Tourismuskapitalismus benutzt; dort, wo Trinkgelder verschenkt werden, als würde man Essensreste in den Müll
werfen. Das ist kapitalistischer Tourismus. Das ist es, was auf der Tourismusmesse in Berlin
verhandelt wird.“ Weiterhin werden in ausgelegten Flugblättern auch Investoren-Pläne für
Luxusresorts im Gaza-Streifens und Menschenrechtsverletzungen wie Umweltverschmutzung
in der Dominikanischen Republik kritisiert. Auch der Aeropuerto del Pacífico der Regierung
von El Salvador wird hervorgehoben, denn das Flughafenprojekt führt zu Vertreibung
der ansässigen Gemeinden und gefährdet wichtige Mangroven.

William Morris, Entwurf für Textildruck, 1883

William Morris, Stoffdesign,
Tree Frieze, oben,
Tulip Frieze, unten, ca. 1876
Bist du ein Baum? Oder doch ein Topfpflanze?
Mein Nomadenleben begann schon vor dem Studium. Kam man mit meiner Mutter
ins Gespräch und fragte, woher unsere Familie stamme, grinste sie und sagte mit einem
Augenzwinkern die (mir) bekannte Formel auf: „Wir zogen sechzehn Mal um, sechs Mal
davon international.“ Jedes meiner Geschwister wurde in einem anderen Staat od. Land
geboren, und bis meine Eltern in unser Familienhaus in Colorado zogen, lebten sie nie
länger als drei Jahre in der gleichen Unterkunft… Ich war auf eine müde Art traurig.
Ich hatte den verwilderten Garten lieb gewonnen, den unsere Wohnung sich mit dem
Maklerbüro unter uns teilte: die Birnbäume, die angeblich von mittelalterlichen Bäumen
abstammten, der Apfelbaum, der jeden Herbst sechs perfekte rote Äpfel hervorbrachte,
sogar der tropische Baum mit den großen, wachsartigen Blättern, der sich in diesem
schottischen Klima nicht ganz wohl zu fühlen schien. Ich beneidete diese Bäume um ihre
unerschütterl. Stabilität. Sie würden weiter sprießen, blühen u. ihre Farben im Rhythmus
der Jahreszeiten wechseln, ohne sich darum zu kümmern, ob ich blieb oder ging, lebte
oder starb: so hartnäckig in seinem Wesen und seinen Bedürfnissen zu sein, sich seines
Platzes in der Welt so sicher zu sein. Ich bin eine Topfpflanze, sagte ich zu mir selbst.
Immer bereit, mich bewegen zu lassen, meine Wurzeln nie mit
denen meiner Nachbarn verwebt, ein Fremder auf festem Boden …
Ich hatte schon einmal versucht, Zimmerpflanzen ins Freie zu setzen, aber sie starben
jedesmal ab. Vielleicht erginge es mir genauso? Vielleicht war ich nach all den Jahren des
Lebens mit tragbaren Wurzeln nicht mehr fähig, im Boden Wurzeln zu schlagen? Wenn man versuchte, mich an einem bestimmten Ort einzupflanzen, würde ich vielleicht verschrum-
peln und sterben, weil ich nicht bereit war, eine aufrichtige Verpflichtung gegenüber einem
Ort einzugehen. Ich sehnte mich nach einem Ort, dem ich angehören konnte, mit dem ich
verwoben sein konnte, aber ich fühlte mich dazu nicht fähig. In früheren Jahrhunderten
standen die Chancen gut, dass man in der Nähe seines Geburtsortes aufwuchs, heiratete
und arbeitete. Heute ist das nicht mehr so wahrscheinlich. Als Reaktion auf die moralische
und wirtschaftliche Verwüstung durch den Zweiten Weltkrieg beschrieb Simone Weil in
ihrem Buch The Need for Roots (Das Bedürfnis nach Wurzeln) das aktuelle Zeitalter als
einen Zustand der Wurzellosigkeit, des Mangels an sinnvoller Gemeinschaft, Arbeit und
Zugehörigkeit – ein Verlust, den viele von uns spüren… Das Gefühl der Wurzellosigkeit
reicht jedoch viel weiter zurück als unsere gegenwärtige Lage. Eine ernstzunehmende
Beschreibung der Geschichte ist ein langes Vermächtnis der Vertreibung; von Landgewinn
und -verlust, von Eroberung und Flucht, vom Erbauen von Häusern und deren Zerstörung, durch Krieg oder Zeit, Gier oder Langeweile. Wurzellosigkeit ist nicht nur ein Merkmal der
modernen, sondern auch der menschlichen Existenz. Das habe ich sehr stark gespürt, als
ich zum ersten Mal die Bekenntnisse des heiligen Augustinus gelesen habe, in denen er
diese alte Wunde auf überraschend lebendige Weise berührt. Der nordafrikanische Heilige, dessen Worte und Ideen durch die Jahrhunderte hindurch nachhallen, beschrieb die
menschliche Natur als von einer Art Unruhe geprägt. Er schreibt in seinen Bekenntnissen:
„Wir sind ruhelos, bis wir Ruhe finden in Dir.“
Sarah Stewart-Kroeker schreibt: „Augustinus’ vorherrschendes Bild für das menschliche
Leben ist die peregrinatio (Leben in der Fremde), die zugleich eine Reise in die Heimat
(eine „Pilgerfahrt“) und den Zustand des Exils von der Heimat symbolisiert.“
Das ganze Leben Augustinus᾿war von dieser Suche nach Heimat und dem Gefühl
des Exils geprägt. Er war eine Topfpflanze auf der Suche nach festem Boden…
Wie könnte das Gedeihen dieses gemischten metaphorischen Lebens aussehen?
Wie kann man sowohl als Pilger als auch als Baum erfolgreich sein?
Von einer vielversprechenden Person sagen wir, dass sie es weit bringen wird.
Wir sagen das nicht von einem erfolgreichen Baum.
Ein erfolgreicher Baum bleibt an Ort und Stelle. Er hat Wurzeln. Er trägt Früchte.
In der Geschichte des Augustinus fand ich Parallelen zu meiner eigenen: der Wunsch nach Ruhe und Verwurzelung vermischt mit dem Gefühl des Exils und der Suche nach einem Ort
der Zugehörigkeit. Irgendwann entdeckte ich, dass diese gemischte Metapher das
Herzstück einer der berühmtesten Bibelstellen ist:
Psalm 1:
Selig der Mann,
der nicht nach dem Rat der Frevler geht,
nicht auf dem Weg der Sünder steht,
nicht im Kreis der Spötter sitzt,
sondern sein Gefallen hat an der Weisung des Herrn,
bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt.
Er ist wie ein Baum,
gepflanzt an Bächen voll Wasser,
der zur rechten Zeit seine Frucht bringt
und dessen Blätter nicht welken.
Alles, was er tut, es wird ihm gelingen.
Nicht so die Frevler:
Sie sind wie Spreu,
die der Wind verweht.
Darum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen
noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.
Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten,
der Weg der Frevler aber verliert sich.
Der Gesegnete wandelt wie ein Pilger (Vers 1), aber der Gesegnete ist auch wie ein Baum
(Vers 3). Im Zentrum dieser beiden Bilder stehen einige der zentralen Spannungen, die
das Menschsein ausmachen. Wir gedeihen in Verwurzelung und Fruchtbarkeit, aber diese
Verwurzelung ist immer nur vorübergehend, unterbrochen vom Tod. Und selbst im Leben
werden wir von Sehnsüchten getrieben, die diese Welt nie zu befriedigen vermag.
Indem wir über die Eigenschaften von Bäumen und Reisen nachdenken und sie auf
den Menschen übertragen, entdecken wir vielleicht neue Wege, uns selbst zu verstehen…
Die scheinbar widersprüchlichen Bilder von Bäumen und Reisen laden uns ein, darüber
nachzudenken, wie es ist, Mensch zu sein, zu gedeihen, gut zu leben in den Widersprüchen
der menschlichen Natur, mit dem Wunsch nach Ewigkeit in der Begrenztheit der Sterblich-
keit, mit Wurzeln in der Erde und Zweigen, die ihre müden Arme nach ihrer himmlischen
Heimat ausstrecken.
Joy Marie Clarkson, You Are a Tree: And Other Metaphors to Nourish Life, Thought, and
Prayer (Bethany House Publishers, Baker Publish. Group, bakerpublishinggroup.com, 2024), 13–16, 30–34. Übersetzt aus dem Englischen. Verwendet mit Genehmigung
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die zukünftige (das himmlische Jerusalem) suchen wir.
Hebräer 13,14

Praxis des Miteinanders
familia Dei






